Offener Brief von Betriebshandwerkern und Medientechnikern der Technischen Abteilung an Präsidium und Kuratorium

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Ziegler,
sehr geehrte Mitglieder des Kuratoriums,

seit dem 01.01.2018 stellen wir in der Technischen Abteilung, insbesondere bei Betriebshandwerker*innen und Medientechniker*innen, eine sukzessive Abwertung fest, indem Ausschreibungen und Einstellungen immer niedrigere Eingruppierungen zu Grunde gelegt werden.

So wird im Bereich Betriebshandwerk seit dem 01.01.2018 nicht mehr nur in die EG 7, sondern zunehmend in die EG 5 und EG 6 eingruppiert, obwohl die Beschäftigten die gleiche Arbeit an den gleichen Anlagen verrichten. Im Jahr 2017 waren die Beschäftigten in diesem Bereich ausnahmslos in die EG 7 eingruppiert, heute sind nur noch knapp 56 Prozent in die EG 7 eingruppiert.

Im Bereich Medientechnik verhält es sich ähnlich. Eine EG 8 war dort üblich. Inzwischen gibt es unter den sieben Beschäftigten vier unterschiedliche Eingruppierungen, obwohl die Komplexität der zu bedienenden Anlagen stetig zunimmt. Aktuell wird versucht, Beschäftigte mit der EG 6 einzustellen. Bei den letzten zwei Ausschreibungen haben sich nur wenige bis keine qualifizierten Fachkräfte mehr auf die ausgeschriebenen Stellen beworben. Gleichzeitig hat die Anzahl der zu betreuenden Anlagen und der Betreuungsaufwand stark zugenommen, so dass eine andauernde Personalvakanz und Überlastung der Mitarbeiter vorprogrammiert sind. Hinzu kommt aktuell noch, dass den Beschäftigten angekündigt wurde, kleinere Bauaufträge mit externen Firmen zu veranlassen und zu koordinieren. Aufgaben, die normalerweise von Ingenieuren erledigt werden.

Diesen Abwertungstrend können wir nicht nachvollziehen. Aus Ausschreibungen wissen wir, dass gemäß TV-L bei anderen Arbeitgeber*innen höhere Eingruppierungen vorgenommen werden. Aus dem Umgang mit Fremdfirmen wissen wir, dass händeringend Beschäftigte im Handwerk gesucht werden und dass z.B. die Tagessätze von Medientechnikern deutlich höher sind als vor der Pandemie. Firmen können kaum Aufträge annehmen bzw. rechtzeitig abarbeiten. Krankheitsvertretungen zu finden ist fast unmöglich. Wartezeiten bis zu 13 Wochen bei der Beauftragung von Fremdfirmen sind in Berlin inzwischen Normalität. Hier wird vorsätzlich die Betriebssicherheit vernachlässigt und ein erheblicher Imageschaden der FU riskiert. Wir verstehen nicht, warum die FU entgegen dem Trend auf dem Arbeitsmarkt – handwerkliche Berufe aufzuwerten – die Entscheidung gefällt hat, einen gegenläufigen Kurs einzuschlagen. Uns ist völlig unklar, welche Gründe zu dieser unternehmerischen Entscheidung führten.

Wir waren während der Pandemie vor Ort, als ein Großteil der Universitätsbeschäftigten im Homeoffice waren. Als Medientechniker*innen waren wir besonders in diesen Zeiten, mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, z.B. den Lehrbetrieb durch neue Formate (hybride Lehre, Livestreams und Videokonferenzen) aufrecht zu erhalten. Als Betriebshandwerker*innen gewährleisten wir, dass Tag und Nacht Anlagen der Freien Universität funktionieren – oft in enger und erfolgreicher Abstimmung mit Nutzer*innen, die wissenschaftliche Versuche etc. durchführen.

Uns ist unverständlich, warum Sie es zulassen, dass dieses Engagement nun mit niedrigeren Löhnen beantwortet wird. Addiert man die Summen der nun niedrigeren Eingruppierungen, spart sich die FU insgesamt vielleicht 30 000 Euro im Jahr. Was für Sie 30 000 Euro im Haushalt sind, bedeutet für jede*n einzelne*n von uns eine hohe Belastung, um unsere Familien zu ernähren und Rechnungen bezahlen zu können. Inflation, steigende Energie- und Mietkosten stellen schon eine Herausforderung für Beschäftigte da, die von den tarifkonformen Eingruppierungen profitieren. Wir unterstützen deshalb ausdrücklich das Vorgehen des Personalrats, der zu niedrige Eingruppierungen ablehnt.

Wir arbeiten und identifizieren uns gerne mit der Freien Universität und wollen das auch weiterhin tun. Das o.g. Vorgehen hat jedoch die Stimmung in den Bereichen in den vergangenen Monaten sehr belastet.

Mit diesem Brief appellieren wir an Sie, alle betroffenen Beschäftigten der unterschiedlichen Lohngruppen: Stellen Sie wieder Lohngerechtigkeit her!!! Wir sehen, dass in höheren Etagen nicht jeder Cent umgedreht wird. Bei uns gilt es lediglich, das zu investieren, was sich nun mal gehört und für einen gut ausgestatteten, funktionierenden Arbeitsbereich und eine Exzellenzuniversität notwendig ist und einmal an der Freien Universität üblich war. Beenden Sie die ungerechte Bezahlung der Kolleg*innen.

Das bedeutet für uns: Betriebshandwerker*innen müssen mindestens in die Entgeltgruppe 7 eingruppiert werden. Medientechniker*innen müssen mindestens in die Entgeltgruppe 9a eingruppiert werden.

Zu Gesprächen ist eine Delegation von uns gerne bereit.

Mit freundlichen Grüßen
[32 Kolleg*innen der TA]

 

Hier unterstützen:

 

UnterstützerInnen:

Michaela Scholz

Für faire Löhne !

Matthias Riedl

Lohnkostendruck auf die Angestellten abzuwälzen und gleichzeitig zu hoffen, dass die Universität damit weiter gut ausgebildetes Personal für Forschung,Lehre und Betrieb halten zu können, ist blanker Hohn.

Ralph FreierTA III D Medientechniker

Ich unterstütze den offenen Brief von Herzen. Wer in der heutigen Zeit Fachkräfte sucht muss auch bereit sein, diese Anständig zu bezahlen.

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