Offener Brief zur aktuellen Situation der X-Tutorials

Offener Brief zur aktuellen Situation der X-Tutorials

Wir veröffentlichen hier den “Offenen Brief zur aktuellen Situation der X-Tutorials”, der vom Vorstand der ver.di-Betriebsgruppe  unterstützt wird.

Sehr geehrte Frau Paetz, sehr geehrte Mitglieder des Steering Committees „Teaching and Learning“, sehr geehrte Mitglieder des Board of Directors,

wir, X-Tutor:innen aus dem „Student Research Opportunities Programx (StuROPx)“, wenden uns mit diesem Offenen Brief an Sie, da wir nicht mehr gewillt sind, den aktuellen Zustand zu ertragen. Es ist nun die gesamte Vorlesungszeit des Sommersemesters 2023 vergangen, wir haben mit viel Elan unsere Tutorien gehalten, und haben doch immer noch keinen schriftlichen Arbeitsvertrag, geschweige denn das uns zustehende Gehalt erhalten.

Die X-Tutorien bieten Studierenden die seltene Gelegenheit, eigene Forschungs- und Lehrprojekte umzusetzen. Sie stehen damit gewissermaßen in der ideellen Tradition der an der FU abgeschafften Projekttutorien sowie der an der TU und HU noch existierenden Projektwerkstätten und Projekttutorien. Wir begrüßen es sehr, dass diese Möglichkeit besteht.

Zugleich ist das StuROPx Teil der Berlin University Alliance (BUA), dem Verbund von FU, HU, TU und Charité im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern. Letztere stand u. a. aufgrund der Verlagerung von einer Grundfinanzierung von Lehre und Forschung zu einer reinen Forschungsprojektförderung lange in der Kritik, weshalb böse Zungen behaupten könnten, bei den X-Tutorials handelte es sich um ein bloßes Feigenblatt, um die Repräsentanz studentischer Interessen vorzuspiegeln.

Doch nicht einmal dieser Funktion kommt das Programm aktuell nach: Die Nicht-Bezahlung der studentischen Tutor:innen führt bei diesen zu sozialen Notlagen und psychischer Überlastung, womit in Folge auch die Qualität der Lehre, Forschung und Projektumsetzung eingeschränkt wird.

Wer Sorgen hat, die Miete zu zahlen oder nicht weiß, wovon im nächsten Monat Lebensmittel gekauft werden sollen, kann sich wohl kaum auf die Umsetzung eines Lehr-/Forschungsprojekts mit anderen Studierenden konzentrieren. Menschen mit Kindern oder zu pflegenden Angehörigen trifft diese Situation noch einmal härter.

Diese Verhältnisse sind für uns nicht länger hinnehmbar. Seit Monaten werden wir auf unsere zahlreichen Nachfragen hin vertröstet.

Verschiedene Stellen an den Universitäten und in der BUA schieben sich gegenseitig die Zuständigkeiten zu. Das Problem scheint aber tiefer zu liegen: Es ist nicht nur so, dass seit der Zusage über die Förderung unserer X-Tutorials am 24. Januar 2023 inzwischen ein halbes Jahr vergangen ist,  in dem die Ausstellung unserer schriftlichen Arbeitsverträge erwartbar möglich gewesen wäre. Hinzu kommt, dass ähnliche Erfahrungen bereits in den letzten beiden X-Tutorial-Kohorten gemacht wurden, die auch mehrere Monate auf ihre schriftlichen Arbeitsverträge warten oder teilweise ihr Projekt um ein halbes Jahr nach hinten verlegen mussten.

Uns vereinzelt angebotene „individuelle Lösungen“ wie die Bezahlung über Honorarverträge können wir nicht akzeptieren. Diese stellen zum einen eine klare Verschlechterung gegenüber den uns zugesicherten Arbeitsverhältnissen dar, zum anderen steht deren Rechtmäßigkeit zumindest in Frage. Inzwischen fragen wir uns, ob das Gesamtkonstrukt BUA/X-Tutorials, trotz des begrüßenswerten inhaltlichen Ansatzes, in dieser Form weiter tragbar ist. Offensichtlich werden Kompetenzgerangel, eine unterbesetzte Verwaltung und die versuchte Umgehung tariflicher Bestimmungen auf unserem Rücken ausgetragen.

Als Konsequenz fordern wir Sie nun letztmalig bis zum 7. August 2023 auf, die bestehenden Arbeitsverträge – wie sie in der Förderungszusage zugesichert wurden – zu verschriftlichen und das ab 1. April 2023 monatlich geschuldete Gehalt nachzubezahlen. Diesbezüglich haben wir uns bereits rechtlich beraten lassen, stehen mit den Gewerkschaften in Kontakt und werden nicht zögern, den Klageweg zu beschreiten. Auch haben wir uns bereits mit Vertreter:innen der Presse in Kontakt gesetzt, um diese unhaltbaren Zustände der Beschäftigungsverhältnisse an den Berliner Hochschulen, die nicht nur die X-Tutorials, sondern auch andere Statusgruppen betreffen, einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Den heute dazu erschienenen Artikel finden Sie hier: https://taz.de/!5945236/

Sie als Geschäftsführerin der BUA, Mitglieder des Steering Comittees „Teaching and Learning“ und des Board of Directors/Präsident:innen der Berliner Universitäten haben die Verantwortung und die Pflicht, diese Unrechtmäßigkeit unverzüglich zu beenden.

Darüber hinaus freuen wir uns über unterstützende Unterschriften solidarischer Gruppen/Organisationen und Einzelpersonen sowie die Weiterleitung des Offenen Briefs. Zum Unterschreiben bitten wir um eine E-Mail an: x-tutorials@proton.me

Unterzeichnende:

  • Klara Bahnert
  • Fabian Bennewitz
  • Fiona Berg
  • Theresa Duval
  • Charlotte Eitelbach
  • Janik Hollnagel
  • Anna-Maria Kluge
  • Emma Steinbach
  • Camilla Geiger
  • David Verdugo-Raab

Unterstützende:

  • Sumona Dhakal
  • Carolina Faggion