Was ist los an der Reisekostenstelle?

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Sie ist ein Nadelöhr für Reisekostenabrechnungen. Die Reisekostenstelle. Hier erlebt manch’ einer sein blaues Wunder. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erleben, aber, was er dann erlebt, wenn er wieder zurück ist und die Abrechnung einreicht, das kann schon eine Überraschung sein.

Derzeit ist die Wartezeit auf eine Dienstreiseabrechnung so lange, dass man es kaum glauben kann. Ein ganzes Jahr kann es dauern, bis die Erstattung von vorgestrecktem (oder: ausgelegtem) Geld erfolgt.

Wieso muss man überhaupt die Abrechnung an die Personalabteilung geben? Die anderen Dienstreisen aus Haushaltsmitteln werden doch auch am Fachbereich abgerechnet. Das dauert nicht so lange.

Es ist in der FU so organisiert, dass aus Haushaltsmitteln finanzierte Dienstreisen ohne Tagegelderstattung beim Fachbereich abgerechnet werden dürfen. Allerdings werden die aus Drittmitteln finanzierten Reisen ausschließlich nach dem Bundesreisekostengesetz abgerechnet und sind deswegen in Händen von extra geschulten Fachkräften. So heißt es.

Nur hat die Sache einen kleinen Schönheitsfehler: es gibt diese geschulten Fachkräfte an der FU kaum mehr. Die Arbeit wird von Leiharbeitnehmer*innen gemacht.

Einer der Gründe für den Einsatz von Leiharbeitnehmern sollte sein, dass die Arbeitsrückstände aufgearbeitet werden, damit anschließend die FU-Stammbelegschaft das Arbeitsvolumen in vertretbarer Zeit bearbeitet. Damit sollte auch dem Outsourcing dieser Aufgabe vorgebeugt werden. Die bittere Realität ist nun, dass es eben nicht nur um das Abarbeiten von Arbeitsvolumen geht, sondern nun Leiharbeitnehmer*innen in den Räumen der FU auch die ganz normale Arbeit machen.

Die Leiharbeitsverträge sind bereits einmal verlängert worden (der Personalrat war hier einbezogen), damit kann von einer vorübergehenden Abhilfe wohl doch nicht mehr gesprochen werden. Warum wurde denn jetzt noch mal verlängert und nicht den Kolleg*innen in der Leiharbeit, die Interesse haben, ein fester Vertrag angeboten? Es ist doch nicht so, dass aus Drittmitteln finanzierte Leistungen in Zukunft weniger werden!

Uns würde doch einmal interessieren, wie hoch die Löhne dieser „externen“ Kolleg*innen sind. Was erhalten sie denn pro Stunde? Ein FU-Beschäftigter würde in der sog. Kleinen E9 / Stufe 3 eingruppiert etwa 17 EURO pro Stunde bekommen. Unsere Leiharbeitnehmer*innen erhalten wieviel? Wir schätzen: Die Kolleg*innen erhalten am Ende weniger als dass, wobei die FU wahrscheinlich mehr zahlt pro Stunde – aber an die Leiharbeitsfirma. Ihr kennt Kolleg*innen? Dann meldet Euch bei uns!

Aber zurück zu den unvertretbar langen Wartezeiten in der Kernkompetenz der Reisekostenstelle, der Abrechnung und Erstattung von vorgestreckten Reisekosten: Wieso muss denn das so sein? Wieso warten wir ewig?

Wie zu hören ist, hat sich ein Professor beim Präsidenten der FU darüber beklagt, dass er einem WiMi mit einer kleinen Geldspritze unter die Arme greifen musste: der WiMi konnte seine Miete nicht mehr bezahlen, weil ihm seine Reisekosten nicht überwiesen worden waren.

Oder etwa: eine jährliche Rate für die Altersvorsorge wurde fällig und konnte nicht gezahlt werden, weil die Reisekostenabrechnung auf sich warten ließ.

Wohlgemerkt: es geht hier um Geld, das der FU nicht gehört, es geht um Geld, das Beschäftigte ausgelegt haben. Und: es geht um Geld, das von Drittmittelgebern bereits genehmigt ist. Die Abrechnung in der FU-Reisekostenstelle ist eine reine Formsache. Das Geld ist da, es kann den Empfangsberechtigten nur nicht ausgezahlt werden.

Der einzig gangbare Weg aus dieser einer internationalen Universität unwürdigen Situation: Feste Verträge für wertvolle Fachkräfte mit einer den Ansprüchen gerechten guten Eingruppierung nach TV-L, dann läuft’s auch.

2 Kommentare zu "Was ist los an der Reisekostenstelle?"

  1. Es ist noch viel schlimmer als hier geschildert!Die Angaben, wie weit die Bearbeitung angeblich sein soll, sind falsch. Jeder weiß das, der auf seine Abrechnung verzweifelt wartet. Die Wiss. Mitarbeiter haben keinen Mumm, sich zu beschweren. Sie fürchten einfach die Folgen für die berufliche Karriere, wenn sie sich mit der FU anlegen. Sie warten lieber ewig auf ihr Geld.

  2. Gretchen Dutschke | 27. November 2017 um 19:35 | Antworten

    Wieso holt Ihr Euch das Geld nicht über einen Mahnbescheid? Das geht einfach und schnell.

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